
Ein Stromausfall ist selten die große Apokalypse, aber er ist zuverlässig nervig: Licht weg, Internet weg, Herd weg, oft auch Heizung (je nach System), und irgendwann wird selbst das Handy nur noch ein teurer Spiegel. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe weist genau darauf hin: Bei Stromausfall sind viele Alltagsbereiche betroffen, inklusive Kühlschrank/Herd, Licht/Heizung, teils Wasser sowie Internet/Mobilfunk.
Ziel dieses Beitrags: ein sauberer, rechtskonformer, alltagstauglicher Plan, der dich 24–72 Stunden deutlich ruhiger durch eine Störung bringt und sich auf längere Ausfälle sinnvoll erweitern lässt.
1) Erst denken, dann kaufen: Was ist bei dir wirklich kritisch?
Mach dir eine kurze Liste “kritische Verbraucher” (mit Priorität):
- Medizin/ Gesundheit: Geräte, Kühlung von Medikamenten (falls nötig), Licht in Bad/Flur
- Kommunikation: Handy geladen halten, Infos empfangen (Radio)
- Grundbedarf: Licht, warm bleiben, Trinkwasserzugang/Alternativen
- Kochen/Essen: kalt essbar oder alternative Kochmöglichkeit
- Zahlungsmittel: etwas Bargeld (Geldautomaten/Kartenzahlung können ausfallen)
Das ist absichtlich unromantisch. Vorsorge ist hauptsächlich Priorisierung.
2) Die Basics, die fast immer funktionieren
Licht: sicher, ruhig, ohne Brandstiftung
Die BBK-Checklisten zur Vorsorge nennen Klassiker: Taschenlampe + Batterien, Kerzen + Feuerzeug, warme Decken/Schlafsäcke.
Praxis-Tipp:
- Stirnlampe statt Kerzen, wenn du nur eins willst (beide Hände frei, deutlich sicherer).
- Batterien/akkus nicht lose in der Schublade: zusammen lagern, halbwegs sortiert.
Laden/kleine Energie: Powerbank statt “Ich bau mir ein Kraftwerk”
Das BBK empfiehlt: Akkus geladen halten, Ersatzakkus, Powerbank oder solarbetriebenes Ladegerät als Hilfe.
Realistisch gut:
- 1–2 Powerbanks (oder eine kleine Powerstation), plus 12V-Autolader für’s Handy.
- Wichtige Kabel doppelt (USB-C, Lightning, was auch immer du dir ausgesucht hast).
Informationen: Radio schlägt Internet, wenn’s ernst wird
Wenn Mobilfunk/Internet gestört sind, sind Warn-Apps eben auch weg. Ein batteriebetriebenes-, Auto- oder Kurbelradio bleibt nutzbar.
Das ist langweilig, aber effektiv.
Bargeld: weil “Kontaktlos” ohne Strom ein Witz ist
Das BBK nennt Bargeld explizit als Vorsorgepunkt.
3) Essen & Kochen ohne Strom (und ohne lebensgefährliche Ideen)
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sagt klar: Campingkocher oder Grill (Balkon/Garten) sind Optionen, aber nicht in Wohnung/Haus grillen (Erstickungsgefahr).
Und beim Vorrat helfen Lebensmittel, die kalt verzehrbar und nicht kühlpflichtig sind.
Kurz: Plane mindestens 1–2 Tage “ohne Kochen” ein. Das nimmt Druck raus.
4) Wärme & Heizung: Hier passieren die gefährlichen Fehler
Wenn deine Heizung stromabhängig ist (viele sind es), wird es im Winter schnell ungemütlich. Das BBK empfiehlt u.a.:
- einen Raum als Aufenthaltsraum wählen, Türen geschlossen halten (Wärme behalten),
- trotzdem regelmäßig lüften, besonders bei Kerzen,
- bei alternativen Heizquellen fachlich beraten lassen,
- bei gasbetriebenen Geräten auf Sicherheitsfunktionen achten,
- CO-Warnmelder erhöht Sicherheit.
Das ist der Punkt, an dem Menschen gern “kreativ” werden. Bitte nicht. Kohlenmonoxid ist unsichtbar und nicht verhandlungsbereit.
5) Lebensmittel im Kühlschrank/Gefriergerät bei Stromausfall: die realistische Linie
Regel 1: Türen zu lassen.
Zu den belastbaren Richtwerten aus US-Behörden (physikalisch überall gleich):
- Kühlschrank hält Lebensmittel bei geschlossener Tür typischerweise bis zu 4 Stunden sicher.
- Gefrierschrank: bis zu 48 Stunden, wenn er voll ist (ca. 24 Stunden halbvoll), Türen geschlossen.
Für eine deutschsprachige, offizielle Einordnung gibt es z.B. Hinweise eines Landesministeriums: Tiefkühlware nach längerer Störung auf Genießbarkeit prüfen und grundsätzlich nicht nur auf TK setzen, sondern auch ungekühlt haltbaren Notvorrat haben.
Pragmatische Konsequenz:
- Erst Verderbliches essen (Kühlschrank), dann TK, dann Vorrat.
- Wenn du unsicher bist: im Zweifel weg. Lebensmittelvergiftung ist eine ziemlich dumme Art, einen Stromausfall zu “bereichern”.
6) Notstrom (Generator, PV, Speicher): nur sauber, nur fachlich
Für Privat-Haushalte sind “teure Notstromlösungen” laut Verbraucherzentrale in der Regel nicht notwendig; sinnvoll ist eine an Haushalt und Situation angepasste Vorsorge.
Wenn du trotzdem Richtung Notstrom denkst:
- Keine Bastel-Einspeisung ins Hausnetz. Das ist brandgefährlich (für dich und andere) und kann technische Regeln verletzen.
- Lösung: Elektrofachbetrieb, Netztrennung/Umschaltung, sauber dimensioniert.
- Als Orientierung für technische Anschlussregeln bei Erzeugungsanlagen im Niederspannungsnetz existieren VDE-Anwendungsregeln (nur lesen, nicht selbst “nach Gefühl” umsetzen).
Kurz: Notstrom ja, aber nicht als Heimwerker-Mutprobe.
7) Was tun während und nach dem Stromausfall?
Die Verbraucherzentrale empfiehlt u.a.:
- wenn möglich über Radio/Handy informieren,
- Notruf nur bei echter Gefahr,
- nach dem Ausfall Geräte prüfen,
- Lebensmittel entsorgen, die verdorben sein könnten,
- Schäden dokumentieren.
Und vom BBK: Behördeninfos per Radio verfolgen, Bargeld bereithalten, Akkus laden, Wärme/Lüften beachten.
Mini-Checkliste “Stromausfall Zuhause” (kopierbar)
- 2 Lichtquellen pro Person (Taschenlampe/Stirnlampe) + Batterien/geladen
- Powerbank(s) + passende Kabel + Autolader
- Batterieradio/Kurbelradio
- Bargeldreserve für ein paar Tage
- 1–2 Tage Essen ohne Kochen + alternative Kochmöglichkeit (nur sicher betrieben)
- Warm bleiben: Decken, warme Kleidung, ein “Wärme-Raum”, Lüftungsroutine
- Kühlkette-Plan: Türen geschlossen, verderbliches zuerst verbrauchen
- Wichtige Nummern auf Papier notiert (falls Handy leer/Netz weg)
Rechts- und Sicherheitshinweis (kurz, aber notwendig)
Dieser Beitrag ist allgemeine Information und ersetzt keine Fachberatung. Arbeiten an elektrischen Anlagen sowie Notstrom-Einspeisungen gehören in die Hände von Elektrofachkräften. Offene Flammen/Grills/Heizgeräte in Innenräumen können lebensgefährlich sein; behördliche Hinweise und Herstellerangaben sind maßgeblich.
Quellen (Auswahl)
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Stromausfall-Vorsorge (Heizung, Lüften, Kochen, Radio, Powerbank, Bargeld).
- BBK-Checklisten zur Vorsorge: Licht/Wärme, alternative Kochgelegenheit.
- Verbraucherzentrale: Maßnahmen, Verhalten während/nach Stromausfall, Einordnung “teure Notstromlösungen meist nicht nötig”.
- FoodSafety.gov / USDA FSIS / CDC: Lebensmittelsicherheit bei Stromausfall (4h Kühlschrank, 24–48h Gefriergerät bei geschlossenen Türen).
- Bayerisches Staatsministerium (Hinweise zu Kühl-/TK-Lebensmitteln bei Stromausfall, Notvorrat ungekühlt haltbar).
- VDE-Anwendungsregel (Niederspannungsnetz, technische Anforderungen; relevant als Rahmen bei Notstrom/Erzeugungsanlagen, Umsetzung durch Fachleute).
