Krisenvorsorge Zuhause: Kommunikation, wenn Handy und Internet plötzlich “nö” sagen

Kommunikation ist der Teil der Krisenvorsorge, den die meisten Menschen komplett ignorieren, weil “mein Handy hat doch Akku”. Spoiler: Akku ist nicht gleich Netz, und Netz ist nicht gleich Information.

Das Ziel ist simpel: Warnungen zuverlässig bekommen, wichtige Leute erreichen, und im Ernstfall Hilfe rufen können, ohne dabei Notrufleitungen mit “Ist das jetzt schlimm?” zu verstopfen.


1) Was bei Ausfällen realistisch passiert (und warum “Online bleiben” kein Plan ist)

Bei größeren Störungen kann Mobilfunk/Internet überlastet sein oder durch Stromausfälle an Technikstandorten teilweise ausfallen. Genau deshalb empfiehlt Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), sich nicht auf einen Kanal zu verlassen, sondern mehrere Wege einzuplanen.

Und ja: Es gibt Situationen, in denen Telefonie/SMS/Notrufe trotz Stromausfall grundsätzlich noch möglich waren (Beispiel: Berliner Stromausfall, Telekom-Aussage). Aber das ist kein Versprechen für jede Lage, eher ein Hinweis: Netze können noch funktionieren, müssen aber nicht stabil sein.


2) Der Warnmix: So wirst du in Deutschland offiziell gewarnt

Deutschland setzt bewusst auf mehrere Warnkanäle (“Warnmix”), damit eine Warnung dich erreicht, selbst wenn ein Kanal ausfällt.

Die wichtigsten Kanäle für Zuhause

  • Cell Broadcast: Warnung direkt aufs Handy, ohne App. Das ergänzt den Warnmix und enthält i.d.R. einen Link zum Bundeswarnportal.
    Hinweis zur Entwarnung: Beim Bundesweiten Warntag am 11.09.2025 wurde die Entwarnung noch nicht über Cell Broadcast versendet.
    Das BBK hat am 25.11.2025 mitgeteilt, dass Entwarnung per Cell Broadcast jetzt möglich ist.
  • Warn-App NINA (freiwillig, aber sinnvoll): Offizielle Warnmeldungen des Bevölkerungsschutzes.
  • Sirenen, Radio, Fernsehen, digitale Tafeln, Lautsprecherwagen usw.: Alles Teil des Warnmix.
  • Bundeswarnportal: Amtliche Meldungen zentral gebündelt.

Praxisregel: Nutze mindestens zwei Warnwege, z.B. Cell Broadcast + Radio oder NINA + Radio.


3) Radio: Der unschlagbare “Offline-Channel”, wenn Mobilfunk/Internet wackeln

Wenn Mobilfunk und Internet nicht mehr funktionieren, fallen auch Warn-Apps und Handy-Warnungen (zumindest in Teilen) aus. Radio funktioniert oft trotzdem, deshalb empfiehlt das BBK ausdrücklich ein batterie-, Kurbel- oder Autoradio.

Auch Verbraucherzentrale rät bei Stromausfall: informiert bleiben über Radio mit Batterie- oder Kurbelbetrieb und Powerbanks regelmäßig laden.

Minimal-Setup (wirklich alltagstauglich):

  • 1 batteriebetriebenes Radio (oder Kurbelradio)
  • Ersatzbatterien (oder integrierter Akku)
  • Notizblock + Stift (ja, Papier, weil dein Handy kein Orakel ist)

4) Dein Kommunikationsplan: 15 Minuten Arbeit, spart Stress ohne Ende

Krisen scheitern selten an “fehlender Ausrüstung”, sondern an “keiner weiß was”.

Schritt 1: Kontaktliste auf Papier

Das BBK empfiehlt ausdrücklich eine ausgedruckte/handschriftliche Liste wichtiger Kontakte, falls du nicht auf digitale Kontakte zugreifen kannst.

Drauf gehören:

  • Familien-/Haushaltskontakte
  • Nachbarn/Hausverwaltung
  • Hausarzt / Pflegedienst (falls relevant)
  • Schule/Kita-Nummern
  • Versicherungen/Notfallkontakte (wenn sinnvoll)
  • Adresse(n) von Treffpunkten

Schritt 2: Zwei Treffpunkte vereinbaren

  • Treffpunkt A: direkt am Wohnort (z.B. Hauseingang/nahe Ecke)
  • Treffpunkt B: außerhalb des direkten Umfelds (falls A nicht geht)

Schritt 3: Eine “Info-Drehscheibe”

Bestimme eine Person außerhalb deiner Stadt/Region als Sammelstelle:
Alle melden sich dort kurz (wenn möglich). Das reduziert Chaos und Mehrfachanrufe.


5) Handy-Strategie: Akku ist eine Ressource, keine Deko

Was das BBK konkret empfiehlt:

  • Powerbank bereithalten, damit du Smartphone/Laptop bei Stromausfall laden kannst.

Pragmatische Regeln:

  • Flugmodus nur, wenn du wirklich kein Netz brauchst. Sonst: Energiesparen (Display runter, Hintergrundapps aus).
  • Wenn Netze überlastet sind: kurze Nachrichten statt endlos telefonieren (oft kommt SMS/kurze Messages besser durch, garantiert ist das nicht).
  • Lade “wichtigste Infos” offline vor: Adressen, PDF-Checkliste, Karten.

6) Notruf richtig nutzen (112): schnell, klar, nicht missbrauchen

Die Notrufnummer 112 ist europaweit für Feuerwehr und Rettungsdienst, rund um die Uhr. In Bayern wird sie ohne Vorwahl und gebührenfrei aus allen Netzen verbunden (das Prinzip gilt europaweit, die Seite erklärt es sehr klar).
Wenn es wirklich brennt, zählt: anrufen, kurz bleiben, Fakten liefern.

Und weil Menschen manchmal… schwierig sind: 112 und 110 sind nur für Notfälle. Amtliche Warnmeldungen weisen teils explizit darauf hin, die Notrufe nur im Notfall zu wählen.
Missbrauch ist ein reales Problem (und blockiert Hilfe für Leute, die sie wirklich brauchen).

Notruf-Checkliste (kurz und nutzbar):

  • Was ist passiert?
  • Wo ist es passiert? (Adresse, Etage, Zugang)
  • Wie viele Betroffene?
  • Welche Gefahren? (Rauch, Gasgeruch, bewusstlos etc.)
  • Rückfragen abwarten, nicht auflegen

7) Realistische Ausrüstungsliste für Kommunikationsvorsorge

Nicht “taktisch”, sondern funktional:

Minimum (für fast jeden Haushalt):

  • Batterieradio oder Kurbelradio
  • Powerbank + passende Kabel
  • Papier-Kontaktliste + Treffpunktplan

Optional, wenn du es ernst meinst (ohne Overkill):

  • Zweite Powerbank oder kleine Powerstation
  • Autolader (12V)
  • Taschenlampe/Stirnlampe (weil Kommunikation ohne Licht auch… kreativ ist)

Mini-Checkliste zum Kopieren

  • Cell Broadcast am Handy aktiv (Notfallwarnungen)
  • Warn-App NINA installiert (optional, aber sinnvoll)
  • Batterieradio/Kurbelradio vorhanden
  • Powerbank geladen + Kabel griffbereit
  • Kontaktliste auf Papier
  • 2 Treffpunkte + 1 externe Kontaktperson festgelegt
  • Notruf nur im Notfall (112/110 nicht “zum Nachfragen”)

Rechts- und Sicherheitshinweis

Dieser Beitrag ist allgemeine Information zur privaten Vorsorge. Maßgeblich sind amtliche Warnungen und Anweisungen. Notrufnummern sind nur in echten Notfällen zu nutzen.

Quellen

  • BBK: “In der Krise informiert sein” (Radio, Kontaktliste, Powerbank).
  • BBK: Warn-App NINA (amtliche Warnungen).
  • BBK: Warnmix / “So werden Sie gewarnt” + Warnkanäle beim Warntag.
  • BBK: Cell Broadcast (Warnmix, Link zum Bundeswarnportal).
  • BBK: Pressemitteilung 25.11.2025 (Entwarnung per Cell Broadcast möglich; Warn-Auslösung seit 23.02.2023).
  • BBK/BMI: Warntag-Info (11.09.2025, Entwarnung damals nicht via Cell Broadcast).
  • Verbraucherzentrale: Stromausfall (Radio + Powerbanks laden).
  • Bayerische Notruf-Info: 112 (aus allen Netzen, gebührenfrei, europaweit).
  • Amtliche Warnmeldung (Beispiel: Hinweis Notruf nur im Notfall).
  • ZEIT-News: Missbrauch von Notrufnummern (Problemumfang).

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