
Hitze ist draußen nicht einfach “warm”. Hitze ist ein Leistungs- und Sicherheitsproblem: Du wirst langsamer, unkonzentrierter, dehydrierst schleichend und triffst irgendwann Entscheidungen, die du später bereust. Das Gemeine: Es fühlt sich am Anfang oft noch “okay” an, bis es das nicht mehr ist.
Der Deutscher Alpenverein empfiehlt für Touren bei Hitze u.a. klare Anpassungen: früh starten, Mittagshitze meiden, Tourenwahl anpassen, genug trinken und Pausen klug setzen.
1) Risiko-Check: Was Hitze draußen so gefährlich macht
Hitze + Sonne + Belastung sorgt für:
- Dehydrierung (Wasserverlust)
- Wärmeerschöpfung (Kreislauf kippt)
- Hitzschlag (medizinischer Notfall)
Dazu kommt: UV-Belastung ist ein eigenes Risiko. Beim Deutscher Wetterdienst findest du Verhaltensempfehlungen passend zum UV-Index (Schatten, bedeckende Kleidung, Sonnencreme, Hut, Sonnenbrille).
2) Tourenplanung für Hitze: Nicht härter, sondern schlauer
Die wichtigste Hitze-Strategie kostet kein Geld: Timing.
- Früh starten und den anstrengendsten Teil vor der großen Hitze erledigen. Der DAV nennt als Orientierung, dass man die Mittagshitze (um ca. 14 Uhr) möglichst “hinter sich” haben sollte und mittags eher pausiert.
- Route anpassen: Mehr Wald/Schatten, Nord-/Westhänge, Wasserstellen, kürzere Schleifen statt “einmal durch die Sonne marschieren”.
- Plan B definieren: Abbruchpunkte (Bahn/Bus, Talweg, Alternativabstieg). Hitze macht dich langsamer, also brauchst du eine Exit-Option, bevor du sie brauchst.
3) Trinken, aber realistisch: Was offiziell empfohlen wird (und was davon für Touren taugt)
Für den Alltag wird oft “ausreichend trinken” betont; die Bundesregierung verweist dabei auf Empfehlungen, über den Tag verteilt etwa 2–3 Liter zu trinken (abhängig von Person und Situation). Das ist kein “Tourenrezept”, aber ein brauchbarer Rahmen, um zu verstehen: bei Hitze brauchst du mehr als sonst.
Das Bundesamt fuer Bevoelkerungsschutz und Katastrophenhilfe nennt für Hitzetage als Grundregel u.a. viel trinken (mindestens 1,5–2 Liter/Tag als Basis). Für Touren gilt: Das ist eher Unterkante.
Praxistauglich für draußen:
- Vor der Tour trinken (nicht erst, wenn Durst schreit).
- Regelmäßig kleine Schlucke statt seltene Liter-Exzesse.
- Salz/Elektrolyte: Bei langem Schwitzen kann ein isotonisches Getränk oder salzige Snacks sinnvoll sein. Keine Magie, nur Ersatz für das, was rausläuft.
Wichtig (rechtssicher & ehrlich): Bei bestimmten Erkrankungen/Medikamenten kann “mehr trinken” problematisch sein. Dann gilt: ärztliche Empfehlung schlägt Blogpost. (Das sagen auch behördliche Hitzetipps ausdrücklich.)
4) Kleidung, Sonnen- und Hitzeschutz: Der langweilige Kram, der dich schützt
Der DWD empfiehlt “sonnengerechtes Verhalten”: Schatten suchen, sonnendichte/leichte Kleidung, lange Hosen/Hemd, Sonnencreme, Sonnenbrille, breitkrempiger Hut. Klingt nach Urlaubskatalog, ist aber tatsächlich die korrekte Antwort.
Für Touren heißt das:
- Luftig, hell, bedeckend (ja, auch bei 30°C, weil UV).
- Kopfbedeckung ist Pflicht, nicht Accessoire.
- Sonnencreme regelmäßig erneuern (Schweiß rechnet nicht mit).
5) Tempo, Pausen, Schatten: Hitze ist ein Ressourcen-Spiel
Wenn du bei Hitze dieselbe Pace wie sonst durchdrückst, “bezahlst” du später mit Kreislauf.
Regeln, die sich bewährt haben:
- Pausen im Schatten, nicht in der prallen Sonne.
- Kurz pausieren, öfter, statt einmal “lange und dann klamm”.
- Anstrengende Passagen in die kühleren Stunden legen (DAV-Empfehlung).
6) Warnzeichen erkennen: Wärmeerschöpfung vs. Hitzschlag
Du musst keine Notärztin sein, aber du solltest die Basics kennen.
Die Weltgesundheitsorganisation stellt sehr klar: Hitzschlag ist potenziell tödlich und ein medizinischer Notfall. Alarmzeichen sind u.a. starke Beschwerden wie Benommenheit/Übelkeit, aufhören zu schwitzen oder Bewusstseinsverlust.
Als allgemein anerkannte Übersicht zu Symptomen von Hitzeerschöpfung nennt z.B. der NHS: Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerz, Übelkeit/Erbrechen, starkes Schwitzen, Krämpfe, schneller Puls, starker Durst.
Merksatz:
- Heat exhaustion: mies, aber oft durch Abkühlen/Trinken besser.
- Heat stroke: Notfall, nicht diskutieren, handeln.
7) Erste Hilfe bei Hitzeproblemen (ohne Hobby-Medizin)
Wenn jemand klar hitzebelastet ist:
- Sofort raus aus der Sonne, in Schatten/kühlen Bereich.
- Kühlen (nasse Tücher, Wasser auf Haut, Luft dran).
- Trinken, wenn die Person wach/ansprechbar ist und nicht erbricht (kleine Mengen).
- Wenn Hitzschlag-Verdacht (Verwirrtheit, Bewusstseinsstörung, “stop sweating”, Kollaps): Notruf. WHO: “Call for emergency medical help immediately.”
Das ist keine medizinische Beratung, das ist die Minimal-Realität, die Leben retten kann.
8) Hitze bedeutet auch Waldbrandgefahr: Rechtlich und praktisch relevant
Bei Hitze/Trockenheit steigt das Waldbrandrisiko. Der DWD hat dafür den Waldbrandgefahrenindex (WBI) mit 5 Stufen.
Das BBK sagt glasklar (Flyer): Kein Grillen und kein offenes Feuer im Wald oder in Waldnähe, außer ausdrücklich ausgewiesene Plätze.
Warum das in einen “Hitze”-Artikel gehört:
Weil “wir machen kurz ein Feuerchen, weil’s romantisch ist” im Sommer nicht romantisch ist, sondern ein echtes Risiko und je nach Lage auch schnell ein Bußgeld- und Einsatzthema.
9) Minimal-Checkliste: Hitze-sicher auf Tour
- Startzeit früh, Mittagshitze meiden (DAV)
- Route mit Schatten/Wasserstellen, Abbruchpunkte eingeplant (DAV)
- Trinken geplant (nicht “mal schauen”), ggf. salzige Snacks
- UV-Schutz: Hut, Brille, Sonnenschutz, bedeckende Kleidung (DWD)
- Warnzeichen bekannt: Heat exhaustion vs. Heat stroke (WHO/NHS)
- Waldbrandregeln beachten, kein Feuer im/nahe Wald (BBK)
Sicherheits- und Haftungshinweis
Dieser Beitrag ist allgemeine Information zur Outdoor-Sicherheit und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei schweren Symptomen oder Hitzschlag-Verdacht gilt: Notruf und Anweisungen befolgen.
Quellen
- Deutscher Alpenverein: Wandern bei Hitze, Tourentiming, Pausen, Empfehlungen.
- Deutscher Wetterdienst: UV-Index und Schutzmaßnahmen (Kleidung, Hut, Sonnencreme).
- Bundesamt fuer Bevoelkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Vorsorge/Handeln bei Hitze und Dürre (Grundregeln wie Trinken, Kleidung).
- Bundesregierung: Hitzeschutz, Trinkempfehlung (2–3 Liter/Tag als Orientierung).
- Weltgesundheitsorganisation: Heat stroke als medizinischer Notfall, sofort Hilfe rufen.
- NHS: Symptome von Heat exhaustion/Heatstroke.
- DWD: Waldbrandgefahrenindex (WBI).
- BBK: Waldbrand-Flyer (kein offenes Feuer/Grillen im oder nahe Wald).
