Outdoor Sicherheit: Tourenplanung, die dich nicht zur Bergwacht-Story macht

Tourenplanung klingt nach Spießer-Hobby. Ist aber in Wahrheit das, was entscheidet, ob deine Wanderung schön wird oder ob du später irgendwo stehst und überlegst, ob “TikTok hat gesagt, das geht schon” ein belastbares Sicherheitskonzept ist. (Ist es nicht.)

Der Deutsche Alpenverein (DAV) bringt’s trocken auf den Punkt: Wetter kann schnell umschlagen, Orientierung muss sitzen, und Tourenplanung ist die Grundlage dafür, im Notfall überhaupt sinnvoll Hilfe rufen zu können.


1) Was Tourenplanung wirklich ist (und was nicht)

Tourenplanung heißt: Route + Zeit + Wetter + Menschen + Plan B so zusammenzubauen, dass du nicht auf Glück angewiesen bist. Der DAV beschreibt Tourenplanung als Prozess, der auch nach der Tour weitergeht: reflektieren, lernen, nächstes Mal besser.

Es geht nicht darum, “mutig” zu sein. Mut ist billig. Vorbereitung ist wertvoll.


2) Die 10-Schritte-Tourenplanung (praxisnah, deutsch-kompatibel)

Schritt 1: Ziel und Schwierigkeit ehrlich wählen

Wähle eine Tour, die zu Kondition, Technik, Erfahrung und Jahreszeit passt. “Kurz, aber ausgesetzt und steil” ist kein Anfänger-Upgrade, sondern ein Klassiker für Probleme. Der DAV nennt mangelnde Vorbereitung und falsche Selbsteinschätzung als typische Risikofaktoren.

Schritt 2: Route sauber anschauen (nicht nur den schönen GPX-Strich)

  • Start/Ende, Abzweige, kritische Passagen (Schrofen, ausgesetzte Querungen, Bachquerungen)
  • Ausstiegs- und Abbruchmöglichkeiten (Plan B)
  • Alternative Talwege bei Wetterumschwung

Wenn du nur “wird schon” im Kopf hast, ist das kein Plan, sondern Hoffnung.

Schritt 3: Zeitplanung rechnen, nicht raten

Der Österreichische Alpenverein gibt simple Richtwerte zur Gehzeit-Berechnung:

  • ca. 300 Hm pro Stunde im Aufstieg
  • ca. 500 Hm pro Stunde im Abstieg
  • ca. 4 km pro Stunde in der Ebene (als grober Richtwert)

So nutzt du das realistisch:

  • Rechne die Zeit mit diesen Richtwerten
  • Addiere Puffer für Pausen, Fotos, Orientierung, “wo ist der Weg”-Momente
  • Setze eine Umkehrzeit (z.B. “spätestens 14:00 Uhr drehen wir um, egal wie nah der Gipfel ist”)

Schritt 4: Wetter checken (und zwar bergtauglich)

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt sehr klar: Im Gebirge kann Wetter in Minuten kippen, Gewitter und Sturmböen sind nicht “romantisch”, sondern gefährlich.

Wetter-Checkliste:

  • Niederschlag (Menge/Timing)
  • Wind (Stärke, Böen, exponierte Bereiche)
  • Temperatur (oben vs. unten)
  • Gewitterwahrscheinlichkeit (im Sommer besonders relevant)

Und ja: Wenn Gewitter drin sind, ist “früh starten” oft klüger als “später wird’s schon”. Der DAV hat dazu eigene Regeln/Infos.

Schritt 5: Bedingungen vor Ort mitdenken (Jahreszeit schlägt Kalender)

Schnee- oder Eisreste im Frühling/Herbst machen aus einem “Wanderweg” schnell ein Rutschbahn-Projekt. Der DWD beschreibt genau diese Dynamik (Neuschnee/umschlagende Bedingungen in Höhenlagen).

Schritt 6: Navigation doppelt absichern

Minimum: Karte/Offline-Karte + Akku-Plan.
Warum? Weil du im Notfall deinen Standort auch verbal beschreiben können musst. Der DAV nennt ausdrücklich: gute Tourenplanung, topografische Karte, Höhenmesser helfen bei Standortangaben für den Notruf.

Schritt 7: Jemanden informieren (und zwar so, dass es nützt)

Schreib einer Person:

  • Wohin (Route grob)
  • Startzeit
  • Erwartete Rückkehr
  • Umkehrzeit
  • Wann sie reagieren soll, wenn du dich nicht meldest

Das ist kein Kontrollverlust. Das ist Erwachsensein.

Schritt 8: Notfallplan: 112 und Standortangabe

Im Notfall gilt: 112 (EU-Notruf). Und dann brauchst du Ort + Lagebeschreibung. Die Bergrettung (Österreichischer Bergrettungsdienst) betont: Unfallort möglichst genau schildern, Anweisungen folgen, Akku schonen.
Der DAV ergänzt: Standort verbal beschreiben können ist Teil guter Vorbereitung.

Schritt 9: Recht & Regeln: Du darfst viel, aber nicht alles

In Deutschland gibt es ein grundsätzliches Betretungsrecht:

  • Wald: Betreten zur Erholung ist gestattet, Radfahren/Reiten teils auf Wege beschränkt (Details je nach Landesrecht).
  • Freie Landschaft: Betreten auf Straßen/Wegen und ungenutzten Flächen ist grundsätzlich gestattet, ebenfalls mit Einschränkungsmöglichkeiten.

Wichtig: Dieses Recht ist kein “ich mach, was ich will”-Pass. Schutzgebiete, Sperrungen, Wegegebote, Brut- und Setzzeiten, Forstarbeiten etc. können Regeln ändern. Wenn Wege gesperrt sind, sind sie gesperrt. Menschen, die das ignorieren, sind der Grund, warum Schilder erfunden wurden.

Schritt 10: Nachbereitung (dein billigstes Sicherheits-Upgrade)

Der DAV empfiehlt, Touren nachzubesprechen: Was lief gut, was war knapp, was ändern wir nächstes Mal.
Das kostet dich 10 Minuten und spart dir irgendwann richtig Ärger.


3) Mini-Checkliste zum Kopieren (Tourenplanung)

Tour: ____________________ Datum: ___________

  • Route & Alternativen geprüft
  • Gehzeit gerechnet + Puffer + Umkehrzeit festgelegt
  • Wetter (Bergwetter) geprüft, Gewitter/Wind/Temperatur bewertet
  • Navigation: Offline-Karte/Karte + Akkuplan
  • Info an Kontaktperson (Route, Zeitfenster, Rückmeldezeit)
  • Notfall: 112, Standort beschreibbar (Karte/Höhe/markante Punkte)
  • Regeln/Sperrungen/Schutzgebiete respektiert

4) Rechts- und Sicherheitshinweis

Dieser Beitrag ist allgemeine Information zur Tourenplanung und ersetzt keine geführte Ausbildung, keine lokale Lageeinschätzung und keine amtlichen Hinweise. In Schutzgebieten, bei Sperrungen, Forstarbeiten oder Gefahrenlagen gelten besondere Regeln und Anweisungen. Betretungsrechte können eingeschränkt werden.

Quellen

  • Deutscher Alpenverein (DAV): Notruf und Standortangabe (Tourenplanung, Karte, Orientierung).
  • DAV: Unwetter/ Gewitter im Gebirge (Risiken und Regeln).
  • Deutscher Wetterdienst (DWD): Bergwetter und Gefahren durch rasche Wetterumschwünge/Gewitter.
  • Österreichischer Alpenverein: Richtwerte zur Gehzeitberechnung (Hm/h, km/h).
  • Gesetze im Internet: §14 Bundeswaldgesetz (Betreten des Waldes).
  • Gesetze im Internet: §59 Bundesnaturschutzgesetz (Betreten der freien Landschaft, Einschränkungen möglich).
  • Österreichischer Bergrettungsdienst: Notfall-Tipps (112/Ort genau, Akku sparen).

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