
Warum Wasser das erste Thema ist
Wenn Strom, Infrastruktur oder ein Wasserwerk ausfallen, ist Wasser nicht „nice to have“, sondern sofort ein Problem. Selbst wenn noch Wasser aus dem Hahn kommt, kann es Situationen geben, in denen Behörden Abkochgebote aussprechen oder die Nutzung einschränken. Der Punkt ist: Wasser ist dringlicher als Essen.
1) Wie viel Wasser brauchst du wirklich?
Basiswert für den Vorrat
Für die private Notfallvorsorge empfiehlt BBK als Orientierung 2 Liter pro Person und Tag, davon 0,5 Liter fürs Kochen. Für 10 Tage wären das 20 Liter pro Person.
Praxisübersetzung: 2 Liter/Tag sind ein realistischer Mindest-Plan für Trinken + einfache Zubereitung. Hygiene kommt extra.
Rechenformel
Wasser-Vorrat (Liter) = Personen × 2 × Tage
Beispiele:
- 1 Person, 10 Tage → 20 L
- 2 Personen, 10 Tage → 40 L
- 3 Personen, 10 Tage → 60 L
Wer braucht mehr?
Plane Puffer ein, wenn das bei dir zutrifft:
- Sommer/Hitze, körperliche Arbeit, Sport (mehr Flüssigkeit nötig)
- Kinder/Säuglinge (Zubereitung, Hygiene, ggf. besondere Anforderungen)
- Haustiere (BBK sagt ausdrücklich: mitdenken)
Und nur als Realitätscheck: Umweltbundesamt nennt als grobe Orientierung 2 Liter Trinkmenge pro Tag für Erwachsene (durchschnittlich) und weist darauf hin, dass Wasser auch für Zubereitung und Hygiene gebraucht wird.
2) Wie lagerst du Wasser sinnvoll (ohne Keller-Bunker)?
Option A: Gekauftes Wasser (simpel, robust)
- Mineral-/Tafelwasser in Flaschen ist für die meisten Haushalte die einfachste Lösung.
- Vorteil: versiegelt, keine „Hygiene beim Umfüllen“-Fehler.
Tipp: Ein Teil des Vorrats darf ruhig „langweilig“ sein. Wasser muss nicht hip schmecken, es muss verfügbar sein.
Option B: Leitungswasser einlagern (geht, wenn du sauber arbeitest)
Wenn du Kanister nutzt:
- nur lebensmittelechte, dicht schließende Behälter
- kühl, dunkel lagern
- Datum drauf, regelmäßig rotieren
Warum so pingelig? Weil Wasser zwar aus der Leitung in Deutschland sehr gut kontrolliert ist, aber bei schlechter Lagerung wieder verunreinigt werden kann. Die WHO betont genau das Prinzip „safe storage“, also Schutz vor Wiederverkeimung nach Behandlung/Lagerung.
Bonus, den viele vergessen: Wasser in der Hausinstallation
DVGW nennt Trinkwasser ein „verderbliches Lebensmittel“ und empfiehlt, Entnahmestellen regelmäßig zu nutzen, damit Wasser nicht lange steht (Stagnation).
Das ist keine „Vorratslager“-Lösung, aber es hilft dir, im Alltag die Qualität hoch zu halten.
3) Was tun, wenn Leitungswasser „da“, aber nicht sicher ist?
Grundregel: Behörden schlagen Bauchgefühl
Bei Abkochgebot oder Warnung: exakt das tun, was Stadt/Wasserversorger/Gesundheitsamt sagen. Nicht „ich hab’s im Internet gelesen“.
Abkochen: Was es kann (und was nicht)
- Abkochen (sprudelnd/rolling boil) ist als Methode geeignet, um Bakterien, Viren und Protozoen zu inaktivieren.
- Aber: Abkochen entfernt keine Chemikalien. Das sagen u.a. CDC und EPA sehr klar.
Praktische Konsequenz:
- Bei mikrobiologischer Verunreinigung (Keime) kann Abkochen helfen (wenn es offiziell empfohlen wird).
- Bei chemischer Verunreinigung (z.B. Stoffe, die nicht durch Hitze verschwinden): Abkochen bringt nichts. Dann gilt: behördliche Hinweise befolgen, oft heißt das „abgefülltes Wasser nutzen“.
Filter: sinnvoll, aber nur wenn sie das Richtige können
Filter sind kein magisches „alles weg“-Teil.
- Für Keime gibt es Systeme (z.B. bestimmte Mikrofilter).
- Für Chemikalien braucht es je nach Stoff andere Verfahren (Aktivkohle/Umkehrosmose etc.), und auch das ist nicht pauschal „immer gut“.
Wenn du Filter erwähnst (oder verlinkst), bleib sauber: nur zertifizierte Systeme, klare Zweckbeschreibung, keine Heilsversprechen.
4) Minimalplan für Hygiene (damit du nicht dein Wasser “wegwäschst”)
In einer Störung geht’s nicht um Wellness, sondern um Infektionsrisiko senken:
- Trinkwasser priorisieren.
- Händehygiene clever lösen: wenig Wasser + Seife (wenn möglich), ansonsten Hygiene-Alternativen.
- Ein paar Liter „Gebrauchswasser“ (z.B. fürs Putzen) getrennt denken, damit du nicht aus Versehen Trinkwasser verfeuerst.
(Kein medizinischer Rat, nur gesunder Menschenverstand mit ein bisschen Struktur.)
5) Schritt-für-Schritt: So setzt du den Wasservorrat diese Woche um
Schritt 1: Bedarf ausrechnen
Personen × 2 L × 10 Tage (oder erst 3 Tage, dann hochziehen).
Schritt 2: Lagerform wählen
- Flaschen = bequem
- Kanister = platzsparend, aber sauber handeln
Schritt 3: Lagerplatz definieren
- kühl, dunkel, keine Hitzequellen
- nicht „irgendwo, wo du nie reinguckst“
Schritt 4: Rotationsroutine
- „lebender Vorrat“: regelmäßig im Alltag nutzen und nachkaufen. (BBK empfiehlt genau dieses Prinzip.)
Schritt 5: Notfallablauf notieren (1 Minute, die dir Stress spart)
Auf einen Zettel (ja, Papier, oldschool):
- Wo steht das Wasser?
- Wer nimmt wie viel?
- Was tust du bei Abkochgebot? (Quelle checken, Anweisung befolgen)
Mini-Checkliste
- Wasservorrat: ___ Personen × 2 L × ___ Tage
- 1–2 Kanister/Flaschen als „Anbruchreserve“
- Lagerort + Zugriff geklärt
- Rotation eingeplant
- Plan für Abkochgebot (offizielle Stelle/Website notiert)
Rechts- und Sicherheitshinweis
Dieser Beitrag ist allgemeine Information zur privaten Vorsorge. Er ersetzt keine behördlichen Anweisungen oder professionelle Beratung. Bei Warnungen/Abkochgeboten sind Gesundheitsamt/Wasserversorger/Behörden maßgeblich. Abkochen hilft gegen Keime, aber nicht gegen chemische Belastungen.
Quellen
- BBK – „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ (Wasser: 2 L/Person/Tag, 0,5 L Kochen, Beispielmengen).
- BBK – „Essen und Trinken bevorraten“ (10 Tage, 1,5 L + 0,5 L fürs Kochen, lebender Vorrat).
- Umweltbundesamt – Trinkwasser (Orientierung Trinkmenge, Einordnung).
- WHO – Household water treatment and safe storage (Safe-Storage-Prinzip).
- WHO – „Boil water“ (rolling boil inaktiviert Krankheitserreger).
- CDC – Boil Water Advisory (Abkochen tötet Erreger, entfernt keine Chemikalien).
- EPA – Emergency Disinfection of Drinking Water (Boiling/Desinfektion entfernt keine Metalle/Salze/Chemikalien).
